Bio Lachs ist derzeit ein Verkaufsschlager. Als Konsument erhofft man sich hier, für einen höheren Preis ein besseres und gesünderes Produkt im Vergleich zum regulären Fisch zu bekommen. Doch bedeutet „Bio“ hier tatsächlich gesünder?

Hoher Preis, hohe Erwartungen

Die fertig abgepackten Lachsfilets stapeln sich in den Tiefkühltruhen. Auf den Packungen prangt das EU-Bio-Siegel. So hoch wie der ausgewiesene Preis, sind auch die Erwartungen an den Schriftzug „kontrolliert ökologische Erzeugung“. Als Kunde assoziiert man damit Gesundheit und Natürlichkeit. Leider erweist sich diese gedankliche Verknüpfung bei genauerer Betrachtung als Trugschluss.


Einsatz von Chemikalien und Pharmazeutika

Bio-Lachs stammt aus Aquakulturen mit EU-Bio-Zertifizierung. Auf synthetische Pestizide wird verzichtet, aber eine Belastung mit solchen kann dennoch gegeben sein. Aquakulturen befinden sich zumeist in Küstenregionen, die intensiv landwirtschaftlich genutzt werden. Hier werden Pestizide und Düngemittel eingesetzt. Diese können, vor allem bei Unwetter, also durchaus mit den Tieren in Kontakt kommen. Wer bisher geglaubt hat, der Lachs mit dem Biosiegel sei unbelastet, muss sich leider eines Besseren belehren lassen.

Antifouling-Mittel, die das Wachstum und Ansiedeln von Organismen an Materialien im Wasser verhindern sollen, können ebenfalls problematisch werden. Damit sollen Netze gegen Muscheln und Seepocken geschützt werden. Obwohl mechanische Reinigung eine umweltschonende Alternative darstellen würde, erlaubt die EU-Verordnung biologisch nur schwer abbaubare kupferhaltige Mittel zum Schutz der Netze. Die enthaltenen Kupferverbindungen wirken biozid, sind nur schwer abbaubar und können unerwünschte Wirkungen auf Wasserorganismen haben. Sie sind also hochgiftig und umweltschädlich. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie auch in den Fisch gelangen.

Lachse sind empfindliche Fische, die besonders auf engem Raum anfällig für diverse Krankheiten sind. Die EU-Biozertifizierung erlaubt eine Besatzdichte von 10 kg Lachs pro Kubikmeter Wasser. Dies ist zwar weniger dicht als in konventionellen Farmen, macht die Tiere aber trotzdem anfällig für Krankheiten. Die EU-Bioverordnung erlaubt bis zu zwei Mal pro Jahr den Einsatz von Medikamenten und eine unbegrenzte Behandlung gegen Parasiten. Antifouling-Substanzen, Medikamente und Mittel zur Schädlingsbekämpfung gelangen logischerweise in Kontakt mit den Fischen und damit letztlich auch auf den Teller des Endverbrauchers. An der Belastung des erzeugten Lebensmittels ändert also auch das EU-Bio-Siegel reichlich wenig.

Umweltschützer bemängeln zu lasche Vorgaben

Meeresexperten von Greenpeace bemängeln, dass die EU-Bio-Vorgaben nicht streng genug sind. Es werden bei der Bioerzeugung Abfälle aus der Speisefischverarbeitung verfüttert. Die EU erlaubt dabei auch das verfüttern von Fischresten aus konventioneller Aquakultur. Diese können belastet sein, z.B. mit Ethoxyquin. Selbst unsortierte Fische und Meerestiere aus der Schleppnetzfischerei werden hier verfüttert. Darunter kann allerlei Getier sein, das eigentlich besser nicht verfüttert werden sollte. Auch geschützte Arten.

EPA und DHA Gehalt durch schlechtes Futter deutlich gesunken

Da die weltweite Nachfrage nach Fischöl stetig steigt, werden auch die zur Erzeugung benötigten Futtermittel immer knapper. Dies hat dazu geführt, dass sowohl in der konventionellen als auch in der Öko-Erzeugung immer schlechteres Futter Verwendung findet. Als Folgeerscheinung ist über die Jahre mit der Futterqualität auch der Gehalt an den wertvollen Fettsäuren EPA und DHA im Lachs gesunken. Lachse fressen in der Natur andere, kleinere Fische wie Anchovis. Sie benötigen selbst eine fettreiche Nahrung, um die gesunden Omega-3-Fettsäuren zu bilden. Doch so wie der Preis für die Futtermittel steigt, sinkt leider auch deren Anteil – und damit der Omega-3 Gehalt im Fisch.

Fazit

Die EU-Bioverordnung ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung zum Schutze der Meere und zur Erzeugung von besserem Fisch, geht in ihren Richtlinien jedoch nicht weit genug. Auch zum Schutz des Verbrauchers, der hinter einem Bio-Siegel ein gesundes Produkt vermutet, sind strengere Auflagen wünschenswert. Aquakulturen können dazu beitragen, die Schleppnetzfischerei einzudämmen und wilde Fischbestände zu schützen. Aber ob Fisch, der das teure Bio-Siegel trägt auch gesünder ist als jener aus konventioneller Erzeugung, sollte sehr kritisch hinterfragt werden.