Omega-3 Fettsäuren in Lachs innerhalb von 5 Jahren halbiert

Wie der BBC berichtet, ist der Omega-3-Gehalt von Zuchtlachsen innerhalb der letzten fünf Jahre durchschnittlich um die Hälfte gesunken.

Der Bericht stützt sich auf eine Studie, die von Forschern an der Stirling Universität durchgeführt wurde. Der Forschungsleiter Prof. Douglas Tocher wird dort zitiert: „About five years ago, a portion of Atlantic salmon of 130g was able to deliver three-and-a-half grams of beneficial omega-3. This is actually our weekly recommended intake. Now, the level of omega-3 has halved.“ (Zu deutsch: „Vor etwa fünf Jahren lieferte eine 130g-Portion Atlantik-Lachs 3,5 Gramm nutzbringendes Omega-3. Dies entspricht unserer empfohlenen wöchentlichen Zufuhr. Nun hat sich der Omega-3-Gehalt halbiert.“)

Quellen für diesen Artikel unter anderem:

BBC News über die weltweite Nachfrage nach Meeresfrüchten

Der BBC veröffentlichte einen hochinteressanten Bericht, in dem der wachsende Druck auf die globalen Fischbestände kritisch beleuchtet wird.

Fakten über Fisch:

  • Obgleich die Meere 70% des Planeten bedecken, werden nur etwa 2% des weltweiten Nahrungsbedarfs aus maritimen Quellen gedeckt.
  • Nach Schätzungen der Weltbank werden im Jahre 2030 62% der verzehrten Meeresfrüchte aus Zuchtanlagen stammen
  • Weltweit versorgen Fischerzeugnisse mehr als 2,9 Milliarden Menschen mit annähernd 20% ihrer Zufuhr an tierischem Protein

Die Fischindustrie im Wandel

Der Bericht eröffnet mit einer Erzählung von Knut Magnus Persson, der auf der Insel Sotra an der norwegischen Westküste lebt. Er taucht nach Muscheln, Krabben und sogar Meeresalgen, die er an einige wenige Kunden liefert. Zusätzlich züchtet er Schalentiere in den klaren Gewässern des Fjords neben dem er mit seiner jungen Familie residiert.

Noch eine Generation zuvor wäre Knut’s Lebensweise nicht ungewöhnlich gewesen. Doch die rückläufigen Fischbestände und das wachsen der Aquakultur-Zuchtanlagen verändern zunehmend das Gesicht des Fischereigewerbes in Norwegen und anderen Seefahrernationen. Norwegen ist bestrebt, den Wildfang behutsam zu kontrollieren und zeitgleich die Fischzucht in Aquakulturen zu fördern. Das Norwegische Model versucht so die empfindliche Balance zwischen der Nachfrage des Massenmarkts und dem Erhalt der Lebensgrundlage für die Fischer zu waren.

Aquakultur ist nicht unumstritten

Die Menge an Fisch die sich dem Meer entnehmen lässt ist begrenzt – 90% der Weltweiten Fischbestände sind bereits kapazitiv ausgeschöpft oder sogar überfischt. Doch Schätzungen zufolge wird die Nachfrage nach Meeresfrüchten weiterhin steigen.

In Norwegen findet die Aquakultur immer weitere Verbreitung. Es ist der führende Erzeuger von Zuchtlachs am Weltmarkt. Doch Aquakulturen sind nicht unumstritten. Bedenken äußern sich besonders im Bezug auf mögliche Umweltprobleme. Beispielsweise Abfallprodukte oder Zuchtfische die aus den Netzgehegen ausbrechen und in die Wildgewässer gelangen können.

Lachsläuse befallen den Zuchtlachs

Doch das mit Abstand größte Problem für Lachs aus Norwegen stellen Lachsläuse dar. Es handelt sich dabei um einen verbreiteten Parasiten der sowohl Wild- als auch Zuchtlachs befällt. Doch überall dort, wo viele Fische auf engem Raum anzutreffen sind, vermehrt sich die Lachslaus besonders gut. Da der Parasit dem Fisch schadet, wurden in der Vergangenheit Medikamente gegen die Läuse dem Futter beigemischt. Doch mitlerweile haben die Läuse bereits Resistenzen entwickelt.

Norwegen: Wildfang vs. Zuchtlachs

  • Im vergleich zu 1940 fahren rund 100.000 Fischer weniger zur See
  • Es gibt zur Zeit nur knapp über 6.000 registrierte Fischereischiffe in Norwegen. Es waren 13.000 zu beginn des Jahrhuderts.
  • Fischprodukte sind Norwegens größter Exportmarkt nach Öl und Gas
  • Etwa 95% der in Norwegischen Aquakulturen erzeugten Produkte geht in den Export
  • Im Jahre 2014 lieferten Norwegische Schiffe 2,3 millionen Tonnen Fisch, Krusten- und Weichtiere.

Die Wahrheit über Bio-Lachs – Ist Bio wirklich gesünder?

Bio Lachs ist derzeit ein Verkaufsschlager. Als Konsument erhofft man sich hier, für einen höheren Preis ein besseres und gesünderes Produkt im Vergleich zum regulären Fisch zu bekommen. Doch bedeutet „Bio“ hier tatsächlich gesünder?

Hoher Preis, hohe Erwartungen

Die fertig abgepackten Lachsfilets stapeln sich in den Tiefkühltruhen. Auf den Packungen prangt das EU-Bio-Siegel. So hoch wie der ausgewiesene Preis, sind auch die Erwartungen an den Schriftzug „kontrolliert ökologische Erzeugung“. Als Kunde assoziiert man damit Gesundheit und Natürlichkeit. Leider erweist sich diese gedankliche Verknüpfung bei genauerer Betrachtung als Trugschluss.

Einsatz von Chemikalien und Pharmazeutika

Bio-Lachs stammt aus Aquakulturen mit EU-Bio-Zertifizierung. Auf synthetische Pestizide wird verzichtet, aber eine Belastung mit solchen kann dennoch gegeben sein. Aquakulturen befinden sich zumeist in Küstenregionen, die intensiv landwirtschaftlich genutzt werden. Hier werden Pestizide und Düngemittel eingesetzt. Diese können, vor allem bei Unwetter, also durchaus mit den Tieren in Kontakt kommen. Wer bisher geglaubt hat, der Lachs mit dem Biosiegel sei unbelastet, muss sich leider eines Besseren belehren lassen.

Antifouling-Mittel, die das Wachstum und Ansiedeln von Organismen an Materialien im Wasser verhindern sollen, können ebenfalls problematisch werden. Damit sollen Netze gegen Muscheln und Seepocken geschützt werden. Obwohl mechanische Reinigung eine umweltschonende Alternative darstellen würde, erlaubt die EU-Verordnung biologisch nur schwer abbaubare kupferhaltige Mittel zum Schutz der Netze. Die enthaltenen Kupferverbindungen wirken biozid, sind nur schwer abbaubar und können unerwünschte Wirkungen auf Wasserorganismen haben. Sie sind also hochgiftig und umweltschädlich. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sie auch in den Fisch gelangen.

Lachse sind empfindliche Fische, die besonders auf engem Raum anfällig für diverse Krankheiten sind. Die EU-Biozertifizierung erlaubt eine Besatzdichte von 10 kg Lachs pro Kubikmeter Wasser. Dies ist zwar weniger dicht als in konventionellen Farmen, macht die Tiere aber trotzdem anfällig für Krankheiten. Die EU-Bioverordnung erlaubt bis zu zwei Mal pro Jahr den Einsatz von Medikamenten und eine unbegrenzte Behandlung gegen Parasiten. Antifouling-Substanzen, Medikamente und Mittel zur Schädlingsbekämpfung gelangen logischerweise in Kontakt mit den Fischen und damit letztlich auch auf den Teller des Endverbrauchers. An der Belastung des erzeugten Lebensmittels ändert also auch das EU-Bio-Siegel reichlich wenig.

Umweltschützer bemängeln zu lasche Vorgaben

Meeresexperten von Greenpeace bemängeln, dass die EU-Bio-Vorgaben nicht streng genug sind. Es werden bei der Bioerzeugung Abfälle aus der Speisefischverarbeitung verfüttert. Die EU erlaubt dabei auch das verfüttern von Fischresten aus konventioneller Aquakultur. Diese können belastet sein, z.B. mit Ethoxyquin. Selbst unsortierte Fische und Meerestiere aus der Schleppnetzfischerei werden hier verfüttert. Darunter kann allerlei Getier sein, das eigentlich besser nicht verfüttert werden sollte. Auch geschützte Arten.

EPA und DHA Gehalt durch schlechtes Futter deutlich gesunken

Da die weltweite Nachfrage nach Fischöl stetig steigt, werden auch die zur Erzeugung benötigten Futtermittel immer knapper. Dies hat dazu geführt, dass sowohl in der konventionellen als auch in der Öko-Erzeugung immer schlechteres Futter Verwendung findet. Als Folgeerscheinung ist über die Jahre mit der Futterqualität auch der Gehalt an den wertvollen Fettsäuren EPA und DHA im Lachs gesunken. Lachse fressen in der Natur andere, kleinere Fische wie Anchovis. Sie benötigen selbst eine fettreiche Nahrung, um die gesunden Omega-3-Fettsäuren zu bilden. Doch so wie der Preis für die Futtermittel steigt, sinkt leider auch deren Anteil – und damit der Omega-3 Gehalt im Fisch.

Fazit

Die EU-Bioverordnung ist zwar ein Schritt in die richtige Richtung zum Schutze der Meere und zur Erzeugung von besserem Fisch, geht in ihren Richtlinien jedoch nicht weit genug. Auch zum Schutz des Verbrauchers, der hinter einem Bio-Siegel ein gesundes Produkt vermutet, sind strengere Auflagen wünschenswert. Aquakulturen können dazu beitragen, die Schleppnetzfischerei einzudämmen und wilde Fischbestände zu schützen. Aber ob Fisch, der das teure Bio-Siegel trägt auch gesünder ist als jener aus konventioneller Erzeugung, sollte sehr kritisch hinterfragt werden.

Greenpeace: Fisch aus Aquakultur schwer belastet mit Ethoxyquin

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat 54 Fischprodukte auf Ethoxyquin untersuchen lassen. In 45 der Proben konnte der Stoff nachgewiesen werden. In 32 Fällen lag das Messergebnis über 50 Mikrogramm/kg, der für Fleisch zugelassenen Höchstmenge. Bei allen 38 untersuchten Proben aus konventioneller Aquakultur konnte Ethoxyquin nachgewiesen werden. Den traurigen Rekord erzielte dabei ein Stremel Lachs von Real mit 881 µg/kg.

Strukturformel von Ethoxyquin

Strukturformel von Ethoxyquin

Bei Ethoxyquin handelte es sich ursprünglich um ein seit 1959 von Monsanto unter dem Markennamen „Santoquin“ vertriebenes Pestizid. In der Europäischen Union ist es für diesen Einsatz allerdings seit 2011 nicht mehr zugelassen. Auch für die Schweiz liegt keine Zulassung zu diesem Zwecke vor. Es besitzt in Deutschland jedoch paradoxerweise eine Zulassung als Futtermittelzusatzstoff E324. Als solcher findet Ethoxyquin Anwendung zur Konservierung von Fischfutter für Aquakulturen. Die Chemikalie wird also in großen Mengen konventionellem Tierfutter beigemengt, um es für den Transport haltbar zu machen.

Vor allem das oxidative Abbauprodukt Ethoxyquin-Dimer reichert sich im Fischgewebe an. Auf diesem Wege gelangt der Stoff letztendlich über die Nahrungskette auch beim Menschen an. Es wurde an Menschen bereits eine Anreicherung im Fettgewebe und in der Muttermilch nachgewiesen. Besonders besorgniserregend ist dabei, dass Tierversuche mit Ratten zu dem Ergebnis kamen, dass Ethoxyquin die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann.

Die EFSA lies in einer Pressemitteilung vom 18.11.2015 verlauten, dass eine abschließende Sicherheitsbewertung aufgrund eines „generellen Mengels an Daten“ nicht stattfinden kann.

Für die Hersteller werden die skandalösen Untersuchungsergebnisse von Greenpeace jedoch folgenlos bleiben. Unverständlicherweise gibt es für Fisch keine gesetzlich geregelten Rückstandshöchstmengen.

Quellen für diesen Artikel unter anderem: